Wenn die Nacht zum Tag wird

Jede Nacht Theater… Entweder beim Einschlafen oder beim Durchschlafen… Im Stundenrhythmus meldet sich Ihr Kind und möchte den Schnuller, die Decke, zu Trinken, auf Toilette,… Kennen Sie das? Das ist doch normal, denken Sie. Die Kinder müssen das ja erst einmal lernen und mit allen Tricks muss ich es ihnen beibringen. Und dann ertappen wir uns dabei, dass wir abends mit dem Auto um den Block fahren, die lieben Kleinen in den Kinderwagen packen, weil sie nur da schlafen, stundenlang schuckelnd durchs Wohnzimmer gehen, das Kind kraulend im Bett versuchen zum Einschlafen zu bewegen, Händchen halten, Bauch massieren… Und immer wieder denken: „Ich möchte einfach mal wieder schlafen“. Und dann bekommen Sie Schuldgefühle…
Das muss alles nicht sein. Denn Ihr Bedürfnis nach Schlaf ist in der Tat wichtig und richtig. Übrigens das der Kinder auch. Ohne ausreichend Schlaf können Kinder sich nicht gesund entwickeln. Und wir können ohne ausreichend Schlaf nicht zufriedenstellend unser aller stressinduzierte Alltage bewältigen. Bei vielen der Kinder liegt der Schlafauffälligkeit eine Regulationsstörung zu Grunde. Was ist das? „Die Kinder haben nicht gelernt, sich selber zu beruhigen, selber einzuschlafen“, erläutert der Dipl. Kinder- und Jugendpsychologe Dietmar Langer, therapeutischer Leiter der psychosomatischen Station in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen.
Wir Eltern neigen dazu, in jedes Schreien der Babys oder auch der Kleinkinder mit Bedürfnisbefriedigung einzugreifen.  Wir müssen lernen zu unterscheiden zwischen akuter Not und Unterhaltungsprogramm – denn das können die Kleinsten schon hervorragend. Ein Baby hat aber bei weitem nicht immer Hunger oder Durst, Bauchschmerzen oder schlechte Träume. Auch ein Baby hat Launen und möchte einfach einmal seine Ruhe. Es hilft einen strukturierten Tagesablauf zu etablieren, Rituale einzuführen, eine liebevolle konsequente Erziehung zu leben, um Ruhe in den Tag zu bringen. „So wie der Tag ist, verläuft in der Regel auch die Nacht“, sagt Dietmar Langer. Und eine Drei- oder Vierjährige muss Zeit und Gelegenheit haben, Erlebnisse eines ereignisreichen Kindergartentages zu verarbeiten, ein Schulkind muss sich wieder mit ganz neuen Anforderungen und Entwicklungsaufgaben auseinandersetzen, und auch Heranwachsende, Jugendliche benötigen noch Regeln, Grenzen und Präsenz durch uns Eltern.
Von Ein- und Durchschlafstörungen sind bei weitem nicht nur Säuglinge betroffen. Zunehmend haben auch ältere Kinder ein ungesundes Schlafverhalten. Wie man dem entgegenwirken kann, was man tun kann, wie Familien geholfen werden kann, erläutert Dietmar Langer in einem Kurzinterview.
Nur ein Rat auch von unserer Seite: Ihr Schlaf ist mindestens genauso wichtig, wie der der Kinder. Je früher unsere Kinder lernen, bei sich im Bett gesund zu schlafen, desto mehr hat am Ende die ganze Familie etwas davon. Und wenn Sie meinen, dass Sie seit der Geburt Ihrer Kinder nicht mehr richtig geschlafen haben, sollten Sie sich Hilfe holen. Kontaktieren Sie uns gern einmal oder melden sich in der Kinder- und Jugendklinik. Hier wird ein Schlaftraining durchgeführt – Bezugsperson und Kind sind drei Wochen auf Station, lernen ein- und durchschlafen – und verlassen meist schon „schlafend“ die Klinik. Manche Betroffene sind schlicht fassungslos: „Nach vier Jahren habe ich endlich wieder durchschlafen können – hätte ich mal eher von dieser Klinik erfahren!“

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