Regulationsstörung: Was das ist und wie sie sich äußert

Was tun, wenn die Kleinen nicht aufhören zu schreien…

Immer häufiger heißt die Diagnose bei verhaltensauffälligen Kindern „Regulationsstörung“. Was es damit auf sich hat und was darunter zu verstehen ist, fragten wir den Experten auf dem Gebiet Dipl. Psychologe, Kinder- und Jugendlichentherapeut Dietmar Langer. „Frühkindliche Regulationsstörungen liegen vor, wenn sich der Säugling bzw. das Kleinkind in einem oder mehreren Interaktions- und regulativen Kontexten nicht angemessen regulieren kann“, sagt Langer. Dieses Störungsbild äußert sich in exzessivem Schreien, Schlafstörungen oder Fütterproblemen bei Säuglingen und Kleinkindern. Dies kann bei Eltern wie Kindern zu chronischen Erschöpfungszuständen führen und letztlich die Beziehung aller erheblich belasten. Zu diesen regulativen Kontexten gehören: Selbstregulation, Schreien, selber ein- und durchschlafen können, Füttern, Zwiegespräch und Spiel, kurze Trennungen, Grenzsetzungen angemessen regulieren zu können.

Etwa 15 bis 25 Prozent der Säuglinge und Kleinkinder zeigen in den ersten Lebensmonaten und –jahren Auffälligkeiten im Verhalten, wie z.B. Schreien oder Unruhezustände. Diese sind zunächst als Ausdruck normaler entwicklungsbedingter Reifungs- und Anpassungsprozesse zu verstehen: Der Säugling, später das Kleinkind, löst sich schrittweise aus der anfänglichen symbiotischen Beziehung zur Mutter und beginnt eine mehr und mehr eigenständige Regulation körperlicher, emotionaler und sozialer Funktionen zu entwickeln. Man spricht von „Entwicklungsaufgaben“. Dabei lernt es in bestimmten Altersphasen zu krabbeln, zu laufen, zu sprechen… Dazu gehören auch die Anpassung des Schlaf- Wachrhythmus an den periodischen Wechsel von der Nacht zum Tag oder die Fähigkeit sich selbst zu beruhigen. In der frühen Säuglingszeit betrifft das u.a. die Nahrungsaufnahme und Verdauung, die Immunabwehr und den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Regulation von Erregung und Aufmerksamkeitssteuerung. Gegen Ende des 1. Lebensjahres sind es die Bereiche Nähe-Distanz-Regulation, Bindung-Trennung, im 2. Lebensjahr die Regulation von Abhängigkeit und Autonomie sowie die Akzeptanz von Regeln und Grenzen.

Im Rahmen dieser Prozesse und entwicklungsbedingter Anpassungsreaktionen kann es zu „Krisen“ kommen, in denen das Kind mit Unlust und Unruhezuständen reagiert. Das Schreien ist dabei das elementare Ausdrucks- und Kommunikationsmittel, das nicht unweigerlich immer etwas mit „Not“ zu tun haben muss. In diesen Zeiten, Phasen kann es zu Sorgen auf Elternseite kommen, die in einen ungünstigen Teufelskreis münden können. Die Eltern können die Signale ihres Kindes nicht mehr sicher einordnen und probieren alle Arten der Beruhigung bis zum Rande der eigenen Erschöpfung aus. Sie geraten zunehmend unter Druck und es entstehen Gefühle von Hilflosigkeit und Ohnmacht oder sogar Wut. Das führt letztlich auf beiden Seiten zu enormem psychischen Stress. Die Beziehung von Eltern und Kind verändert sich negativ.

Aufgrund der Komplexität von frühkindlichen Regulationsstörungen ist eine differenzierte Diagnostik der Problematik unter Berücksichtigung der familiären Belastungsfaktoren und Beziehungsmuster notwendig. Viele Faktoren können in diesem Geschehen eine Rolle spielen: Angeschaut werden müssen kind- und elternbezogene Faktoren (Entwicklung der Problematik, Kontexte, in welchen die Störung auftritt…), Interaktions- und Beziehungsfaktoren (Tagesstruktur, Beziehungsgestaltung des Kinder zu anderen Personen, elterliche Einstellungen, etc.)  sowie paar- und familienbezogene Faktoren (Partnerschaft, Bewältigung zur Elternschaft, Qualität transgenerationaler Beziehungen..). Zu therapieren sind Regulationsstörungen auf drei Wegen: Ambulante Beratung und Therapie, teilstationäre und vollstationäre Therapie. Das Störungsbild ist mit entsprechend begünstigender Therapiemaßnahmen komplett zu beheben und ggf. entstandene Entwicklungslücken sind aufzuholen.

 

Quelle: Regulationsstörungen im Säuglings- und Kleinkindalter für medführer.de von Dipl. Psychologe Dietmar Langer.  Den gesamten Text finden Sie auf dem Fachportal für psychische und psychosomatische Erkrankungen.

Mehr Infos zu den Regulationsstörungen und den Therapieformen gibt gern Dipl. Psych. Dietmar Langer, Abteilung für pädiatrische Psychosomatik in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen.

E-Mail: dietmar.langer@kjkge.de.

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