Neurodermitis nach anderthalb Jahren weg

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Heute ist unser Sohn neun Jahre alt und lange gesund… Foto: silentalex88

Mit Verhaltenstherapie der Neurodermitis begegnen

Ganz schleichend fing es an, erst Milchschorf, dann Babyakne, vermehrt raue Stellen: Als unser Sohn acht Wochen alt war, hatte er über den ganzen Körper verteilt Ekzeme mit elendem Juckreiz und immer wiederkehrenden Rissen und anschließenden Entzündungen auf der Haut. Mit zehn Wochen stand die Diagnose: Atopische Dermatitis, Neurodermitis.

Therapiehopping blieb erfolglos

Wir waren bereits am Start: Bücher über Bücher hatten wir uns besorgt, das Telefon stand nicht still mit gut gemeinten Tipps: Hast du schon gelesen von der Crème X? Hast du gesehen, dass heute Abend eine Sendung zum Thema Neurodermitis auf Sender Y kommt? Ich habe von einem Fachmann gelesen, ein niedergelassener Kinderarzt mit Ausrichtung Homöopathie. Es gibt da eine Tagesklinik in Niedersachsen. So rannten wir von Arzt zu Arzt, von Klinik zu Klinik. Bei jeder Adresse bekamen wir neue, scheinbar bessere Crèmemixturen oder Neurodermitisanzüge, neue Verhaltenstipps mit auf den Weg. Bei uns drehte sich alles nur noch um dieses Thema.
Doch der Zustand wurde nicht besser. Wir waren mittlerweile sehr verzweifelt nach ständig durchwachten Nächten. Am Morgen der Anblick blutverschmierter Bettchen und nässender Schlafanzüge. Es waren nur noch die Zeiträume erträglich, die wir unseren Sohn wieder mit Cortisonsalbe einschmierten.
Immer häufiger hörten wir von der Kinderklinik Gelsenkirchen. Ich hatte Zweifel und vielleicht auch ein bisschen Angst. Ich komme selbst aus einer Medizinerfamilie; mein Vater als Kinderkardiologe hatte es nicht so mit der Psyche. So war ich geprägt und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass es eine Bewältigung der Krankheit fast ausschließlich auf verhaltenstherapeutischer Ebene geben könnte. Ohne Crèmes, Medikamente oder sonstigen Hilfsmittelchen.

Mit dem Sohn in die Klinik
Nachdem wir alle mittlerweile kraftlos und verzweifelt, immer wieder hoffend, waren, sagten wir uns „versuchen sollten wir es“. Vielleicht sind wir bei den 87 Prozent dabei und unser Sohn wird innerhalb eines überschaubaren Zeitraumes gesund. Also ging ich mit unserem Sohn im März 2003 für drei Wochen in die Kinderklinik.
Es war eine Zeit des Begreifens, des Nachdenkens über Lebensumstände, des Lernens über Erziehung (die übrigens auch für nicht chronisch erkrankte Kinder gelten), des Entspannens! In vielen Vorträgen und Gesprächen, in denen es sowohl um die medizinischen wie psychologischen Hintergründe ging, Ernährungsexperten, die uns Sinn, Zweck und Inhalt der neuen Ernährung vermittelten. Ein Rundum-Paket für Betroffene und ihre Familien.
Trotz allem kamen mir immer wieder Zweifel, dass es diese Behandlung sein sollte, die uns zum Ziel führt. Nach der Klinik setzten wir Gelerntes in die Praxis um. Unser Sohn gewöhnte sich an neue Tagesstrukuren, eine vollwertige Ernährung und lernte wieder durchzuschlafen. Schnell war klar: Die Teufelskreise, in die man bei der Krankheit so schnell gerät, werden binnen kürzester Zeit durchbrochen.
Viele Fragen tauchten im alltäglichen Umgang auf. Die schützende Funktion der Klinik, das gesamte Team, das immer ansprechbar war, fehlte nun. Aber: Wir alle bekamen eine Telefonnummer mit nach Hause und konnten jederzeit anrufen. Ganz wichtig war auch die Anlaufstelle des AuK (Bundesverband Allergie- und umweltkrankes Kind). Nun begann ein Auf und Ab. Immer wieder mal ein Schub, mal weniger, mal mehr. Doch wir wussten damit umzugehen; hatten all diese Mechanismen erklärt bekommen. Die Verlaufskurve wurde immer schwächer – es traf alles ein, wie von Expertenseite prognostiziert. So schlimm wie vor dem Klinikaufenthalt war es nicht einmal mehr. Meine Zweifel waren längst verflogen, denn ich hatte den lebenden Beweis auf zwei Beinen vor mir.

Kratzen hörte ganz schnell auf
Mein Mann hatte sich an einem Samstag das Angehörigenseminar in Gelsenkirchen angehört, um gewappnet zu sein für viele neue Verhaltensmuster, die nun entscheidend den Umgang mit unserem Sohn prägten. Der schlief mittlerweile durch, kratzte sich so gut wie gar nicht mehr, aß sein Essen, wurde immer lebensfroher, autonomer und durch die Trainingseinheiten entspannt. Ein A und O in diesem ganzen Prozess.

Selbstheilung möglich
Wir haben konsequent verfolgt, was uns die Klinik lehrte und waren nach einem dreiviertel Jahr an einem Punkt, der uns erahnen lässt: Wir haben es geschafft. Unser Sohn hatte noch ein bis zwei klitzekleine Stellen am Körper, „Restenergien im Selbstheilungsprozess“, sagen die Experten. Nach anderthalb Jahren war er völlig symptomfrei.
Eines schafft diese Behandlung sofort: Sie gibt betroffenen Familien nach drei Wochen Aufenthalt eines mit Sicherheit zurück: Lebensqualität und einen humanen erträglichen Umgang mit einer quälenden chronischen Erkrankung.
Ich wünsche mir, dass ganz viele betroffene Eltern und Patienten von diesem Behandlungskonzept erfahren. Viele Menschen hat die Nachricht noch nicht erreicht, dass es eine weitere Alternative neben Akutmedizin und Naturheilkunde gibt, die bei konsequenter Durchführung zur Selbstheilung führen kann.

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