Nach Klinikaufenthalt endlich Schlaf

Schlafendes BabyVorher schlaflose Nächte, entkräftete Tage und ständiges Schreien… Nach drei Wochen Schlaftraining wurde das vorher Unmögliche wahr: Unser Sohn schlief ein und durch.

 ,,Das ist doch normal, dass Babys schreien. Hast du es mal mit „pucken“ versucht? Vielleicht reicht deine Milch nicht und er hat einfach Hunger?“ Jeder gab mir Tipps, woran es liegen könnte, dass Lejs immerzu schrie, doch nichts half. So habe ich mir das alles nicht vorgestellt. Anstatt eine glückliche Mama zu sein, war ich traurig und verzweifelt.

Das Stillen bereitete mir von Anfang an Probleme. Ich hatte das Gefühl, ich mache nichts anderes mehr als Stillen, weil er nur dann ruhig war und einschlief.

Unser Sohn schrie und schrie

Was war nur mit unserem Baby los? Das kann doch nicht normal sein, dachte ich ständig. Ich konnte gar keinen richtigen Bezug zu meinem Sohn aufbauen, weil es so anstrengend war und ich überhaupt nicht wusste, wie ich mit ihm umgehen soll.

Die ersten zwei Wochen schlief unser Sohn NUR auf uns. Tag und Nacht. Es war undenkbar, ihn auf den Rücken zu legen. Ich handelte schnell und machte einen Termin beim Osteopathen. Nach zwei Behandlungen ließ Lejs  sich auf den Rücken legen. „Jetzt wird sicher alles besser“, hoffte ich. Doch seine Unruhe nahm kein Ende. Er wedelte so heftig mit seinen kleinen Ärmchen, dass ich anfing ihn zu pucken. Doch auch das half nach einiger Zeit nicht mehr. Meine Liste füllte sich mit Einschlafhilfen und es war jedes Mal ein Glücksspiel, welche unserer Methoden funktionieren würde. Das Pucken war Standard. Dazu kam dann noch das Schuckeln, das leichte Klopfen auf den Schnuller, dazu ein Spucktuch über die Augen legen, summen und zu guter Letzt noch die Fön-App.

Ständig auf der Hut

Wir waren ständig in Alarmbereitschaft und starrten auf den Bildschirm des Babyphones, um sofort reagieren können. Er sollte gar nicht erst anfangen zu schreien. Er hatte nie die Chance, alleine einzuschlafen, weil wir gleich reagierten, wenn er sich nur bewegte. Wahrscheinlich wurde uns das zum Verhängnis. Doch wir konnten das Schreien nicht mehr hören.

Am Ende dauerte es eine Stunde, bis er einschlief. Einer von uns lief schuckelnd durch die Wohnung und tat alles, damit er einschläft. Er hat richtig mit dem Schlaf gekämpft. Zeit und Nerven für Zweisamkeit in der Partnerschaft blieb keine. Beide waren müde, gereizt und das harmonische Miteinander gehörte, seit unser Kind da war, auch der Vergangenheit an.

Lejs war acht Wochen alt, als ich das erste Mal mit Herrn Langer, dem Kinder- und Jugendpsychologen in der Kinder- und Jugendklinik,  telefonierte. Ich habe vor längerer Zeit den Elternführerschein gemacht. Hinzu kommt, dass meine Schwester fünf Jahre zuvor mit ihrer Tochter in der Klinik war, sodass ich wusste, dass uns dort geholfen werden kann. Doch die Überwindung war groß. Ich schilderte unsere Probleme und Herr Langer sagte, dass er eine Regulationsstörung vermute. Er ist zwar noch sehr jung, aber bei so kleinen bekommt man die Problematik sehr gut hin, dass sie sich selber regulieren lernen.“ Ein weiteres Problem, das ich beobachtet hatte,  Lejs war extrem schreckhaft. Er war überreizt und müde.

Immer wieder Zweifel

Er war gerade mal acht Wochen alt. Sollte ich wirklich schon in die Klinik? Acht Wochen klingen wenig, aber wenn man acht Wochen lang schuckelnd durch die Wohnung läuft, fast rund um die Uhr, ist das eine lange Zeit. Ich sagte zu meinem Mann; „Ich warte kein Jahr wie meine Schwester, damit uns geholfen wird. Unser Sohn quält sich doch genauso wie wir.“ Also vereinbarte ich einen Termin. Drei Wochen später sollte es losgehen. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen nach dem Gespräch mit der Klinik war es plötzlich viel besser und ich zweifelte, ob es nötig ist, in die Klinik zu gehen. Doch unser Problem holte uns schnell wieder ein. Mittlerweile war Lejs elf Wochen alt und wir machten uns auf den Weg in die Klinik. Am ersten Abend saß ich im Aufenthaltsraum und weinte. Ich zweifelte wieder, ob ich meinem kleinen Baby nicht zu viel zumute, aber zurück nach Hause konnte ich auch nicht, denn da war es so wie es war; nicht auszuhalten. Also blieb ich.

Sofort Erfolge: Stillen und Schlaftraining

Vor der Klinik hatte Lejs bis zu elf  Mahlzeiten am Tag, weil ich ständig stillte. Dort reduzierte sich das Ganze auf vier. Es hat sofort geklappt. Ich konnte nicht fassen, was in der Klinik plötzlich möglich war.

Als das Schlaftraining begann, lief ich anfangs wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Flure und der Zweifel holte mich immer mal wieder ein. Die zweite Woche war die schlimmste für mich. Lejs hat plötzlich nicht mehr so gelächelt wie sonst. er veränderte sich.  Doch ich wurde beruhigt. Frau Grühn sagte, das sei ganz normal. Er würde die Veränderung merken und sein Lächeln bald wieder zurückkommen. Ich muss nur geduldig sein. Und so war es. Ich habe in diesen drei Wochen so unglaublich viel dazu gelernt. Was ich dort gelernt habe, habe ich in den drei Jahren meiner Erzieherausbildung nicht gelernt.

Schon in der Klinik schlief er allein ein

Ich berichtete meinem Mann, der mir nicht glauben konnte, dass ich Lejs einfach hinlegte und er alleine, ganz ohne Hilfe, einschlief. Es hat funktioniert. Noch vor dem Klinikaufenthalt war das undenkbar für uns. Ich verließ die Klinik mit einem schlafenden Kind. Er schlief ganze zwölf Stunden in der Nacht und auch tagsüber hatte er geregelte Essens- und Schlafenszeiten. Es war herrlich. Ich wurde vorgewarnt, dass es zu Hause nochmal zum Rückfall kommen kann. Alte Umgebung = altes Verhaltensmuster. Und so war es. Nach kurzer Panik, habe ich aber richtig reagiert. Ich wusste, was nun zu tun ist.

Bevor ich in der Klinik war, war für mich klar, dass wir kein zweites Kind bekommen würden. Jetzt ist unser Sohn 18 Monate und wir bekommen in elf  Wochen unser zweites Kind.

Endlich ruhige Nächte und Kraft

Autogenes Training und das Wissen, welches ich jetzt habe, bereitet mir keine Angst mehr, zwei Kinder zu haben. Der Bezug zu meinem Sohn hat sich absolut verändert. Endlich habe ich ihn verstanden. Ich weiß, was er braucht. Erst nach der Klink hatten wir Zeit uns richtig kennen zu lernen und die Zeit miteinander in vollen Zügen zu genießen. Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Wir sind so dankbar, dass wir ausgeschlafene und entspannte Eltern mit einem entspannten Kind sind. Und falls einer doch mal unentspannt sein sollte, wissen wir nun, wie wir reagieren müssen. Wir sind unendlich dankbar, dass es die Klinik gibt und würden uns immer wieder dafür entscheiden, uns dort Hilfe zu holen.

Autorin: Dzenita

 

 

 

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