Langweile wieder lernen

Zwei Kinder auf dem Schlitten
Stress lass nach – Langeweile wieder lernen. Die beiden warten geduldig auf den Schnee….

Viele reden von Stress – fühlen sich überlastet, gehetzt, unter Strom, rast- und ruhelos. Was ist los und wie können wir raus aus dieser Schraube? Und vor allem, wie bringen wir das unseren Kindern bei? Sagen wir einmal einem Jugendlichen mit 15, 16: „Jetzt mache doch bitte einmal nichts!“ Dann wird er uns mit großen Augen anschauen und uns wahrscheinlich für verrückt erklären- zumindest wenn er nicht auf der KJ3 in Gelsenkirchen war…
Denn dann hat er ja mitbekommen, wie wichtig Pausen sind und wie gut sie tun im Getriebe vollgepackter Terminkalender und Tage. Übrigens auch Termine, die Spaß machen, lösen Stress aus! Stress ist ganz simpel definiert als Anpassungsreaktion. Wenn also ein Wechsel von Raum, Ort, Bezugsperson stattfindet, folgt eine Anpassungsreaktion. Das ist nicht schlimm, man muss es nur wissen. Vor allem für kleine Kinder können Terminketten schnell zu viel werden.

Noch etwas ist dabei wichtig: Wenn wir unseren Kindern beibringen wollen, Pausen einzulegen, sollten wir das auch selber vorleben. Dann ist es einfacher und für uns im Übrigen auch eine wichtige Maßnahme, einmal innezuhalten. Das sollten wir auch und vor allem beherzigen in solchen Zeiten wie gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit.

Zum Hintergrund für mehr Verständnis zu Sinn und Zweck des Ganzen: Unser Leben ist naturbedingt polar. Das bedeutet, dass es zu jedem Stück ein Gegenstück gibt: Tag und Nacht, Licht und Schatten, Schlaf und Wachsein, Glück und Unglück, Lachen und Weinen – Stress und? Entspannung. Genau. Leben wir die nicht, werden wir krank. Der Psychologe Robert Betz, der Menschen mit seinen Vorträgen und Seminaren in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine neue Richtung in ihrem Leben weisen möchte, hat es in einem seiner Vorträge letztens auf den Punkt gebracht: „Jede Mauer braucht Fugen, um nicht einzubrechen. Pausen sind die Fugen unseres Lebens. Haben wir keine, geraten wir buchstäblich aus den Fugen.“

Nur leider machen wir uns darüber nicht wirklich Gedanken und sind der Meinung, dafür keine Zeit zu haben. Das ist ein fataler Irrtum. Denn eben genau diese Pausen machen unser Leben wieder effizienter, gesünder und zufriedener, doch das wollen wir nicht wirklich wahrhaben.

Ein Ergebnis dieser unserer stressinduzierten Lebensweise ohne Pausen und Sinn für Entspannung zeigt sich zunehmend in erschreckend hohen Zahlen von Depressionen, chronischen Rücken- und/ oder Kopfschmerzen, Schlafproblemen schon im Kleinkind- und Jugendalter, Migränepatienten schon unter Kinder und Jugendlichen, vermeintliche ADHS, ADS-Diagnosen… Auf Dauer hält der Organismus das pausenlose Rotieren nämlich nicht aus. Er wird buchstäblich „lebensmüde“ und landet schlimmstenfalls im Burnout oder anderen chronischen psychosomatischen Erkrankungen. Womit wir dann wieder in unserem Konzept angekommen sind 😉

Ein Indikator für diese Tatsache ist, dass wir und unsere Kinder beispielsweise Langeweile gar nicht mehr aushalten können. Dabei ist Langeweile ein sehr wertvoller Zustand – sie setzt Kreativität frei und lässt erahnen, wie gut Muße tut. Und vor allem lässt sie uns kreativ werden, im Gestalten unserer freien Zeit.
Ein lesenswertes Buch hat dazu der 29jährige „Wer wird Millionär-Gewinner“ und Psychologe Leon Windscheid geschrieben. In „Das Geheimnis der Psyche“ widmet er sich genau diesem Thema und beleuchtet, wie uns eigentlich unser Unterbewusstsein steuert und handeln lässt. Mit aktiver Entspannung können wir darauf positiv einwirken und Einfluss nehmen.

Also, wie wieder heraus aus dem Dilemma?

Bringen wir unseren Kindern ab sofort bei, täglich Zeit mit sich allein ohne Input von TV, Computer und Co zu verbringen. Mindestens eine halbe Stunde am Tag sollte zwischen den ganzen Terminen Pause sein. Sich üben im Nichtstun. Im Träumen. Im Lesen. In der Begegnung mit sich selbst. Das wirkt Wunder. Wir „Gelsenkirchener“ wissen das und haben es kennengelernt.

Wir als Eltern können dann schon einmal starten und uns darin üben, einmal am Tag ganz bewusst NICHTS zu tun. Setzen wir uns aufs Sofa und schauen ins Grüne. Fünf Minuten. Vielen wird das bereits schwerfallen. Übrigens: Ohne Handy, Smartphone, oder oder…

Ansonsten gibt es wunderbare Meditationen – gönnen Sie sich das immer mal wieder. Bestenfalls jeden Tag. Auch Kinder ab 12 Jahre können Entspannungstrainings in Form von Phantasie- oder Traumreisegeschichten machen. Jüngere kommen übers Allein-Spielen in diesen meditativen Zustand, den man in der Fachsprache „Seinsverlorenes Spiel“ nennt. Wir müssen sie nur lassen. Und je früher wir damit anfangen, desto besser ist es.

Was erreichen wir am Ende damit? Zum einen bekommen sämtlicher Input, Informationsfluss, Eindrücke, die uns über Tag erreichen, Gelegenheit im Gehirn überhaupt verarbeitet werden. Zum zweiten werden wir insgesamt tatsächlich gelassener, entspannter und gesünder, denn wir haben dem „Motor“ Stress mit Stress zu bekämpfen, bewusst den Saft abgedreht.

Text: Frauke Döllekes

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