Ernährung

Gesund ernähren hilft bei Selbstheilung

Essen ist so einfach – und kann doch so unendlich kompliziert sein! Fast-Food, Junk-Food, Designer-Food. Geht’s nicht auch ein bisschen natürlicher? Wie haben sich noch unsere Eltern und Großeltern ernährt? Und wie ernähren wir uns heute? Und wenn immer mehr Familien Euro und Cent mehrfach umdrehen (müssen!), bevor sie einen gewissen Betrag ausgeben: Was geben wir selbst für Speisen und Lebensmittel aus? Und was für andere, heutzutage so eminent wichtige Dinge des 21. Jahrhunderts? Und was sind wir bereit, in unsere Gesundheit zu investieren?

In der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen (vormals: Städtische Kinderklinik Gelsenkirchen) wird seit nunmehr 30 Jahren Ernährungsmedizin erfolgreich bei Kindern mit chronischen Erkrankungen aus dem allergischen Formenkreis eingesetzt, um psychosomatisch-psychotherapeutische Behandlungsstrategie sinnvoll zu flankieren. Menschen, die an Allergien (Neurodermitis, Asthma bronchiale und Heuschnupfen) leiden, unterliegen nach psychosomatischem Verständnis einer Stressstörung, ja, einer Stresskrankheit. Und je mehr Stress auf den Menschen einwirkt, umso saurer ist dieser Mensch. Säure selbst ist ein zusätzlicher Belastungsfaktor, der dem unter einer Allergie leidenden Patienten zusetzt. Schon im Schul-Chemie-Unterricht durften wir lernen, dass Säuren durch Basen neutralisiert werden. Was also ist nahe liegender, als eine zusätzliche, größtenteils unnötige Säurebelastung zu reduzieren und eine basische Ernährung in Form einer gemüsebetonten, vollwertigen Kost zu etablieren?

Wenn man sich den heutigen Pro-Kopf-Verzehr an Fleisch anschaut und demgegenüber eine Gemüseaufnahme pro Tag betrachtet, dann sind die Verhältnisse der Bevölkerung in den letzten 150 Jahren quasi auf den Kopf gestellt worden. Noch vor etwas mehr als 40 Jahren war die Fleischmahlzeit die Ausnahme. Und am Wochenende gab es samstags wie selbstverständlich gemüsehaltige Eintöpfe, in denen man das Fleisch suchen konnte. Heute gilt eine Mahlzeit oft erst dann als „richtige“ Mahlzeit, wenn viel Fleisch darin enthalten ist. Dazu natürlich Kartoffeln, Reis oder Nudeln. Und zur Verzierung dann 3 Erbsen, 1 Möhrchen und ½ Rosenköhlchen! Guten Appetit! Schaut man sich dann zuerst die Menge an Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten an, und sucht man dagegen nach Vitaminen, Mineralien, Ballaststoffen, Spurenelementen und basischen Valenzen, dann benötigt der geneigte Betrachter eine Lupe, um fündig zu werden. Schuleingangsuntersuchungen bei 6-jährigen Kindern in Gelsenkirchen zeigen, dass die einzuschulenden Kinder von Jahr zu Jahr immer korpulenter werden. Und betrachtet man sich dann die zahlenmäßig immer mehr werdenden übergewichtigen Jugendlichen und Erwachsenen, die als Folge von seit der Kinderzeit begangenen „Ernährungssünden“ es quasi verlernt haben, sich gemüsebetont, säurearm und basisch zu ernähren, dann ist es nur selbstverständlich und logisch, dass ernährungsmedizinisch therapeutische und präventive Konzepte bereits bei den Kindern zu beginnen haben. Leider bedarf es manchmal erst eines Schusses vor den Bug, um sich die positiven Auswirkungen von gesunder, gemüsebetonter Ernährung wieder vor Augen zu führen.

Heutzutage finden sich ernährungsmedizinische Konzepte bei den allermeisten Krankheitsbildern und natürlich auch bei Allergien. Prämisse der hier vorgestellten Ernährungstherapie ist es nicht, den zu meidenden Speisen eine Allergie auslösende Wirkung zuzuschreiben. Intention ist es vielmehr, dem Körper eine vermeidbare Belastung in Form von zu sauren Valenzen und z.T. minderwertiger Qualität vorzuenthalten.

Dr. Kurt-André Lion
– Kinderarzt, Allergologe, Fachkunde Ernährungsmedizin in Kinderheilkunde –
Ärztlicher Leiter der Abteilung für Pädiatrische Psychosomatik
Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen