Erst Neurodermitis, dann Morbus Crohn besiegt

Erst die Neurodermitis, dann Morbus Crohn selbst geheilt…

Nachdem ich in jungen Jahren mit dem psychosomatischen Behandlungskonzept meine Neurodermitis geheilt habe, war ich sicher, dass ich auch Morbus Crohn besiegen kann. Das war zumindest meine Ahnung und immer mein Ziel. Und ich habe es geschafft. Darüber möchte ich heute einmal berichten, wie der Weg aussah.

Seit Dezember 2010 bin ich vom Morbus Crohn (weiter nur MC genannt) geheilt! Es ist bei einer Darmspiegelung kein Morbus Crohn mehr feststellbar gewesen und auch der pathologische Befund war eindeutig: keine Anzeichen mehr. Damit steht für mich ein weiteres Mal fest: Chronische Krankheiten sind heilbar!

Stress spielt eine große Rolle

Ähnlich wie zu Beginn der Neurodermitis, wurde mir auch bei dem MC gesagt, dass ich damit leben müsse. Es gäbe ja gute Medikamente, die die Krankheit in Schach halten könnten. Aber anders als bei der Neurodermitis entschied ich mich sofort für: „Nein, ich möchte damit nicht leben, ich möchte gesund werden!“ Für mich war aufgrund des zeitlich engen Zusammenhanges zwischen der Heilung der Neurodermitis und des Auftretens des MC klar, es muss wieder mal auch die Psyche und mein Stressniveau eine wesentliche Rolle spielen. Ich versuchte für mich herauszufinden, wo das Problem lag. Ich erkannte nach und nach, dass ich sehr vieles über den Umgang mit mir selbst und meinen chronischen Krankheiten bereits verstanden hatte, aber offensichtlich auch einiges noch nicht.

Die Ärzte rieten mir bezüglich des MC zu einer Kortisontherapie. Zu diesem Zeitpunkt, es war im Herbst 2004, hatte ich Beschwerden mit dem Essen, da meine Speiseröhre schmerzte. Blutige Stuhlgänge und ein ständiges Gefühl, dass ich eine Toilette aufsuchen müsse und zwar sofort, begleitete meinen Alltag.
Alleine bei dem Gedanken einer Kortison-Therapie verschlimmerte sich mein Gesundheitszustand. Ich wusste schnell, dass dies nicht mein Weg sein wird und kann. Mein Weg war ein weiteres Mal der zur Klinik nach Gelsenkirchen. Ich erklärte dem Professor die damals sehr stressige berufliche Lebenssituation und auch privat hatte sich in meinem Leben einiges verändert. Ich konnte sehr genau beschreiben, in welchen Situationen es dem Darm schlechter ging und wusste zumeist auch was vorher gewesen war. Dies hatte ich ja bereits bei der Neurodermitis gelernt. Der Professor hörte mir aufmerksam zu, sagte mir, dass ich ja nun selber schon sehr gut erkannt hätte, weshalb der Morbus Crohn nun da sei.  Er fragte mich, was ich nun tun wolle. Naja, ehrlich gesagt, hatte ich natürlich gehofft, dass er mir sagt, was ich tun solle, aber ich wusste auch, so geht das Konzept nicht. Ein weiteres Mal ging es um Autonomie.  Ich hatte natürlich auch Angst mich gegen eine Medikamententherapie zu entscheiden, denn ich wusste nicht, wie schlimm Morbus Crohn werden könnte und meine Blutwerte sind zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht gut gewesen. Der Professor bestärkte mich darin, auf mein Gefühl zu hören, eine Entscheidung zu treffen und er sagte: „Machen Sie ab morgen 2 x täglich autogenes Training und nehmen Sie sich Zeit für sich.“

Regelmäßig Autogenes Training

Noch nicht vollständig darüber im Klaren, welchen Weg ich nun weitergehen würde, aber mit der Sicherheit im Herzen, ich würde meinen Weg finden, machte ich mich auf den Weg nach Hause. Ich traf die Entscheidung, die KortisonTabletten erstmal nicht zu nehmen und 2 x am Tag Autogenes Training zu machen, sowie mir bewusst Freiräume zu schaffen. Einfach mal NEIN sagen und schauen was ich brauche und was mir gut tut!

Es funktionierte! Innerhalb von acht Wochen waren meine Blutwerte um die Hälfte besser geworden. Sie waren immer noch nicht gut, aber nicht mehr so bedenklich und Kortison war auch erstmal kein Thema mehr. Im Januar 2005 entschied ich mich, eine Kur zu beantragen. Meinem Darm ging es nun schon länger unverändert, das hieß zwar bessere Blutwerte, aber auch blutige Stuhlgänge, Blähungen, etc. Diese Kur wollte ich vor allem deshalb machen, weil ich bzgl. der Neurodermitis gelernt hatte, dass vieles einfacher ist, wenn man versteht was die Krankheit bedeutet, woher Sie kommt, wenn man Hintergrundwissen hat.

Im März 2005 ging es los zu Kur nach Mölln! Ich kam dort an und war gleich geschockt. Mehr denn je wusste ich bereits in den ersten Tagen, dass ich alles versuchen müsse, um gesund zu werden. Es gab dort so viele junge Menschen, die richtig schlimm krank waren, teilweise schon vollkommen resigniert mit der Krankheit umgingen, dass ich sofort wusste: „Da möchtest du nie hin“! Ich entschied, wenn ich die eine chronische Krankheit, nämlich die Neurodermitis geheilt habe, dann muss das auch mit einer weiteren Krankheit möglich sein.

Ich nahm weiterhin keine Medikamente ein und habe es bis in den Spätherbst 2005 geschafft, mich gegen die Einnahme von Immunsuppressiva zu wehren. Mir ist bewusst, dass diese Medikamente wichtig sind und Leben retten können, aber in meinem Fall hatte ich immer das Gefühl, es sei noch zu früh, für so starke Medikamente und nicht schlimm genug.
Mein Gastroenterologe hat dies ab dem Spätherbst 2005 aber nicht mehr mitgemacht. Da sich der Gesundheitszustand meines Darmes nicht wesentlich veränderte, sagte er irgendwann, dass ich nun doch Immunsuppressiva nehmen solle, sonst könne er die weitere Behandlung nicht übernehmen.  Was macht man da als Patient, mit dem Wissen, eine ernst zu nehmende Krankheit zu haben und einem unguten Bauchgefühl, weil man das alles selber gar nicht möchte? Ich machte folgendes: Ich nahm eher widerwillig und wenig überzeugt die Tabletten UND ich übte weiterhin täglich mein autogenes Training und versuchte für mich herauszufinden, was ICH denn glaubte, was mir gut täte. Immer wieder war ich auch in dieser Zeit im Gespräch mit Frau Braun, der damaligen Vorsitzenden des Bundesverbandes Allergie- und umweltkrankes Kind, die mich darin bestärkte auf mich und mein Gefühl zu hören.

Hilfe zur Selbsthilfe

Gelsenkirchen und das Konzept immer in meinem Kopf gründete ich im Frühling 2005 die Selbsthilfegruppe in  Kevelaer. Denn ein Gesund-werden-Konzept für Neurodermitis, Asthma und Heuschnupfen – das wollte ich weitergeben. Ich wollte allen davon erzählen, wie gut dieses Konzept tut und wie hilfreich es ist. Ich wusste auch, dass ich in jeder einzelnen Gruppenstunde selber auch für mich und mein Gesundwerden weiter etwas tun würde. Neben dem Gelsenkirchener Konzept, das ich zunehmend verinnerlichte und mittlerweile zu meinem Lebenskonzept gemacht habe, entschied ich mich im Frühjahr 2006 die Hilfe einer klassischen Homöopathin zusätzlich in Anspruch zu nehmen. Mit meinem Selbstvertrauen, dem verlorenen Schrecken vor chronischen Krankheiten und dem Vertrauen in meine Ärztin fühlte ich mich sehr schnell in der Lage alle Medikamente abzusetzen, um es alleine mit der ganzheitlichen Behandlung nach Gelsenkirchen in Verbindung mit der Homöopathie zu probieren.

Alleine durch diesen Schritt ging es mir schon besser. Das Medikament, was ich nahm, war so stark, dass die Ärzte empfahlen vier Jahre nicht schwanger zu werden, da Spätfolgen in Deutschland noch nicht eindeutig geklärt seien. Das war aber nicht meine Lebensidee. Ich hatte einen Partner. Wir wollten in nicht so ferner Zeit eine Familie gründen. Mit 27 fand ich dies keine Zukunftsaussichten, mit denen ich mir vorstellen konnte, dass sie zum Gesundwerden beitragen. Ich war bemüht mein Leben ruhig, gesund und vor allem selbstbestimmt zu leben.
Unsere Gruppentreffen, sowie die Vorträge und die in dieser Zeit von uns organisierten Veranstaltungen halfen mir auch immer wieder, meinen Weg zu finden, Puzzleteile auf meinem Weg zu sortieren und sie bestärkten mich darin, dass es gut war , wie ich es machte. Meinem Darm ging es zunehmend besser. Kaum mehr blutige Stühle, keine Blähungen mehr und essen hat wieder Spaß gemacht.

Kaum mehr Symptome

Bevor ich schwanger werden wollte, machte ich im Dezember 2007 eine weitere Darmspiegelung. Der Arzt fragte mich, welche Medikamente ich nehmen würde? Ich sagte: „Keine“! Der Arzt schaute ein wenig irritiert, denn er hatte mir ja beim letzten Besuch, die Medikamente verordnet. Ich sagte ihm, dass ich einige Verhaltensweisen in meinem Leben umgestellt und die klassische Homöopathie zu Hilfe genommen habe. Das Ergebnis der Spiegelung war beachtlich und für mich eine unglaubliche Freude. Der Arzt sagte: “ Wenn er nicht wüsste, dass ich MC hätte, hätte er es nicht mehr diagnostizieren können. Soviel besser sei mein Darm geworden.“ Mein Herz hüpfte vor Freude und mein Mut, mich für meinen Weg zu entscheiden wurde ein weiteres Mal belohnt. Ich gehörte dann tatsächlich auch zu den glücklichen Frauen, die sehr schnell schwanger wurden. Ich freute mich sehr und mein Partner zunächst auch – das dachte ich zumindest.

Nächste Krise

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, mir stand die wohl bisher härteste Prüfung in meinem Leben noch bevor. Drei Wochen vor der Geburt meiner Tochter, ließ ihr Vater mich wegen einer anderen sitzen – nach sieben Jahren Beziehung und einem Wunschkind – zumindest dachte ich auch das! Ich als Neurodermitikerin – trennunsängstlich, sehr sensibel, harmoniebedürftig – und dann so eine Trennung. Wie sollte das nur gehen? Rein aus der Theorie betrachtet war diese Situation, das perfekte „Futter“ für die Neurodermitis und den MC. Doch jetzt merkte und spürte ich, wie sehr mich das Konzept, die Gespräche mit Professor Stemmann, Frau Braun und Dr. Lion geprägt hatten und wie sehr das gesamte Konzept aus Gelsenkirchen schon Teil von mir war und ist. Ich meisterte diese Lebenssituation, rückwirkend betrachtet, richtig gut. Als schwangere Frau konnte ich mir kaum eine schlimmere Trennung vorstellen. Ganz offensichtlich hatte ich aber gelernt, was zu tun ist. Ich bekam keinen Neurodermitis-Schub.

Die Neurodermitis machte sich ein klein wenig erst dann bemerkbar, als ich nach einem Jahr leben mit meiner Tochter bei meinen Eltern in meinem Kinderzimmer, in meine eigene Wohnung zog. Der Stress fiel kiloweise von mir ab. Ich kam zur Ruhe, hatte wieder Privatsphäre und wieder zurück erlangte Autonomie. Mein Hals war für ca. sechs Wochen etwas gerötet. Wenn ich darauf angesprochen wurde, sagte ich immer mit einer überzeugten Gelassenheit: „Mich stört es nicht und es geht von alleine wieder weg! Manches muss man zulassen und aussitzen!“

„Gelsenkirchen-besser-und-gesünder-leben-Konzept“

Sechs bis acht Wochen später hatte ich meine gesunde und tolle Haut wieder. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was mit mir und der Haut gewesen wäre, hätte ich nicht das „Gelsenkirchen-besser-und-gesünder-Leben-Konzept“ gehabt. Als ich 2002 in Gelsenkirchen war, habe ich, obwohl ich noch kein Kind hatte, die angebotenen Elternseminare mitgemacht. Auch darum bin ich heute so froh und dankbar. Wie oft ich mich bei der Erziehung meiner Tochter an die Worte von damals erinnere. Wie oft ich für mich denke: „Ja ich weiß wie liebevoll-konsequente Erziehung geht und was sie bedeutet!“ Ich konnte meine Tochter, trotz der extremen Lebenssituation von Beginn an loslassen. Ich konnte in den meisten Situationen in meine Position als Mutter vertrauen, dank all des Wissens, das ich in und durch Gelsenkirchen erfahren habe.

Sehr oft denke ich an viele Worte aus dem Vortrag von Dr. Lion „Kommunikation & Liebe“. Ich konnte verzeihen und ich bin trotz all dessen auch noch gesund geworden. Viele Dinge waren mir selbst schon in Ansätzen klar und vielen Wahrheiten musste ich in die Augen sehen, obwohl sie mir so nicht passten. Gestärkt durch meine Vorerfahrungen und dank der Hilfe einer richtig guten Therapeutin, habe ich den Mut dazu gehabt und mich meiner Lebensgeschichte gestellt. Ich bin überzeugt, dass ich ohne all das Wissen um Trennung, Eltern sein, Muttergefühle, Vertrauen, Autonomie, Grenzen spüren, Kommunikation und Liebe, liebevoll-konsequente Erziehung, Loslassen, Zulassen, Gelassenheit, das ich durch die Menschen und die Zeit in und um die Kinderklinik Gelsenkirchen erworben habe, niemals so gut und ohne bleibende psychische Schäden aus dieser Lebenssituation herausgekommen wäre.

Eigenen Gefühlen trauen

Ich möchte allen, die diesen Bericht lesen ermutigen an die eigene Kraft zu glauben und den eigenen Gefühlen zu vertrauen. Ich habe zwei chronische Krankheiten geheilt, habe eine wunderbare, sehr entspannte – und ich glaube auch-  sehr glückliche T ochter und ich habe für mich die Gewissheit, dass ich meinen Weg finden und gehen werde. Ich werde meinen Weg bestimmt mit Umwegen gehen, aber ich glaube inzwischen, das bin ich und das ist mein Leben. Ich bin manchmal vielleicht irgendwie „anders“, aber ich fühle mich so wohl und habe das Gefühl, das bin ich.

Sandra Vloet

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