Endlich Schlaf und ein normales Familienleben

Teddy gibt Trost, wenn Kinder nicht schlafen koennen.

 

Seitdem wir in Gelsenkirchen waren, hat sich unser Leben verändert. Ich habe keine Minute gezögert, diesen Erfahrungsbericht zu schreiben, allein um anderen Familien Mut zu machen und einen solchen Leidensweg, wie wir ihn hatten, zu ersparen. Wir können nur sagen: Endlich Schlaf und ein normales Familienleben…

Als unser Wunschkind vor sieben Jahren zur Welt kam, war unser Familienglück vollkommen. Wir konnten unser Glück gar nicht fassen, denn unsere kleine Maus war nicht nur gesund, sie schlief sogar tatsächlich durch. Bis sich nach drei Wochen das Blatt wendete und sich unsere Tochter zu einem nicht mehr schlafenden Schreikind entwickelte.

Hilflosigkeit machte sich breit

Omas und Opas, Freunde und Bekannte – alle hatten auf einmal Tipps, brachten sich mit ein und nichts wurde besser. Wir meldeten uns in einer Schreiambulanz und wurden nach einiger Zeit mit den Worten: „Ihre Tochter kann halt nicht schlafen, irgendwann verwächst sich das!“ entlassen. Ich wurde immer verzweifelter. Ich, als gelernte Pädagogin, die schon viele Kinder betreut und vielen Eltern Ratschläge erteilt hatte, versagte so sehr bei meinem eigenen Sonnenschein?!

An ein normales Familienleben war gar nicht zu denken. Ich rannte nachts oft mit dem schreienden Kind an abgelegenen Orten herum- zu Hause war es auf Grund der Lärmbelästigung für die hellhörigen und bald ärgerlichen Nachbarn unerträglich. Fehlenden Schlaf holten wir nur aus purer Erschöpfung nach. Unterstützung konnte und wollte ich nicht annehmen, schließlich war ich die Mama…

Ärzte konnten nichts finden

Konnten wirklich andere Menschen besser wissen, was meinem Kind fehlte, wenn ich es auch mit Hilfe von Ärzten nicht herausfinden konnte? Und die Ärzte konnten nichts finden, bis auf die üblichen Koliken oder das erste Zähnchen oder das, was andere Kleinkinder auch alles erleben. Also nichts Ungewöhnliches.

Zwei Jahre lang blieb unerkannt, dass ich mittlerweile Depressionen entwickelt hatte. Meine Ehe war zwischenzeitlich gescheitert und obwohl mein neuer Partner mir sehr viel Unterstützung bot und mich bestärkte, eine Therapie gegen mein eigenes Leiden zu unternehmen, wurden die Schlafprobleme nicht besser- auch wenn das Schreien nachgelassen hatte. Mein Umfeld konnte meine Sorgen gar nicht verstehen, denn tagsüber war meine Tochter ein lieber, kleiner, unauffälliger Sonnenschein. Die Ärzte argumentierten, dass eine so gute Entwicklung nicht sein könne, wenn sie wirklich nicht schliefe und nahmen mich nicht ernst. „Aus Versehen“ ist es meiner Tochter ganz selten mal gelungen eine Nacht durchzuschlafen.

Ein- und Durchschlafen nicht möglich

Die Regel waren allerdings enorme Ein- und Durchschlafprobleme, unter denen die ganze Familie litt. Bis das Kind eingeschlafen war, vergingen gut und gerne mehrere Stunden dramatischen Theaters, gefolgt von schlaflosen Nächten, in denen ich unzählige Male am Bett meiner Tochter stand. Verschiedene Ansätze, wie das Schreien lassen oder ähnliches probierten wir aus und den Ratgeber „Jedes Kind kann schlafen lernen“ bekam ich nicht nur einmal geschenkt.

Im Laufe einer jahrelangen Odyssee zu verschiedenen Ärzten, Babymassagekursen, Osteopathen, Terminen bei Erziehungsberatungsstellen und Kinderpsychologen, Vorstellung im sozialpädiatrischen Zentrum und weiteren, waren wir mittlerweile um viele Einschlafhilfen, wie Traumfänger, Nachtlichter, Gute-Nacht- CD‘ s und Kuscheltiere reicher.

Trotz aller Hilfen blieb das Problem

Allerdings blieb das Problem und die Verzweiflung wurde immer größer. Mittlerweile ging unsere Maus in die Schule. Eigentlich braucht sie doch ihren Schlaf. Aber jedes Mal, wenn man in ihr Zimmer schaute, war das Licht an und sie spielte ganz lieb. Egal, ob um 2 Uhr nachts oder um 4 Uhr. Schickte man sie wieder ins Bett folgte die nächste Szene des Dramas…

Eine Schlafforscherin, die ich in einer verzweifelten Nacht anschrieb, nannte mir verschiedene Kliniken, bei denen ich mich am nächsten Morgen überall auf die Warteliste schreiben ließ. Die Station KJ3 der Kinderklinik Gelsenkirchen meldete sich schon nach wenigen Wochen. Hier wurden wir von Anfang an sehr ernst genommen und fühlten uns verstanden. Der Gedanke, dass unsere Tochter allerdings nach drei Wochen stationärer Therapie, problemlos Ein- und Durchschlafen könnte, war für uns dennoch unvorstellbar. Doch wir wurden eines besseren belehrt. Unsere Tochter kann mittlerweile schlafen und seit unserer Behandlung in Gelsenkirchen tut sie das sogar wirklich gerne. Außerdem ist sie seitdem im Allgemeinen viel entspannter und zufriedener.

Sie hat schlafen gelernt

Die drei Wochen in Gelsenkirchen waren sehr anstrengend und ich habe gerade anfangs oft gezweifelt, ob das der richtige Ansatz für uns ist- aber nun kann ich wirklich feststellen: Ich würde jederzeit wieder nach Gelsenkirchen gehen. Jede Träne hat sich gelohnt und jeglicher Zweifel war umsonst. Während meine Tochter das Schlafen gelernt hat, habe ich wesentliche Lektionen für das Leben gelernt. Die Ärzte haben super interessante (und lustige) Seminare gehalten, die sich eben nicht nur der chronischen Störung annahmen, sondern auch das komplette restliche Leben mit einbezogen. Die Schwestern handelten in den Situationen nicht immer direkt nachvollziehbar, aber dennoch erfolgreich. Und dann gab es noch die anderen Familien, die das Gleiche „durchmachten“, quasi Verbündete, mit denen man sich gegenseitig stützte. Dies alles war wertvoller, als wir je hätten ahnen können.

Einen entspannten Alltag leben

Nun sind wir wieder im Alltag angekommen und können nach sieben Jahren endlich ein ganz normales Familienleben führen. Und das nur durch kleine „Erziehungsveränderungen“, die nun meinen pädagogischen mit dem therapeutischen Ansatz vereinen. Wir leben einen entspannten, liebevoll- konsequenten Alltag und können unser Leben endlich wieder genießen. Danke an Schwester Heidi, dass Sie mich ermutigt haben, diesen Schritt zu gehen und immer ein offenes Ohr hatten. Und auch an alle Schwestern und Ärzte der KJ3 ein dickes DANKE – ihr habt das Unmögliche möglich gemacht!

 

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