Eltern und Kinder im Katastrophenmodus

„SOS Kinderseele“ – Michael Winterhoff kommt zum  Charity-Vortrag:

Warum ist es offensichtlich so schwierig geworden heute, unseren Kindern angemessene Rahmenbedingungen  zu schaffen, die es ihnen ermöglichen, sich einfach entwickeln zu können? Wo ist unsere Intuition geblieben und wo unsere innere Ruhe? Wir hetzen durch die Tage, vergessen auf uns zu schauen und versuchen aus allem das Optimum herauszuholen. Wenn das für uns selber nicht gelingt, versuchen wir das bei unseren Kindern über einen „Förderwahn“, der seinesgleichen sucht – vergessen dabei aber, dass die ihre ganz eigene Geschwindigkeit und ihre ganz eigenen Bedürfnisse haben. Um die zu verstehen und einordnen zu können, müssen wir uns schon ein bisschen mit Entwicklungspsychologie befassen. Ansonsten werden unsere Kinder zu Objekten, die zu unseren Bedingungen funktionieren, passend fürs System gemacht werden sollen. Das beklagt u.a. der Gründer der Akademie für Potentialentfaltung  und Hirnforscher Professor Dr. med. G. Hüther.

Entwicklung wird ausgebremst

Mit völliger Überbehütung oder völliger Grenzenlosigkeit bremsen wir nämlich ganz viele wichtige Entwicklungsprozesse aus. Kinder brauchen Freiheiten, Räume für die Entwicklung ihrer ganz eigenen Potentiale. Dabei müssen wir ihnen aber helfen, sie an die Hand nehmen und begleiten und bestärken. Sie nicht klein machen. Ein gesundes dreijähriges Kind, das laufen kann, muss nicht in den Kindergarten getragen werden. Ein fünfjähriges Kind muss nicht mit Schnuller herumlaufen, denn die Säuglingszeit ist vorbei. Ein sechsjähriges Kind muss auch einmal warten können. Zumindest Autoritäten als solche anerkennen – ein Erzieher im Kindergarten, ein Lehrer in der Schule – das sind Autoritäten, die als solche erkannt werden sollten. Sicher sind es nicht „Partner“, denen man  auf dem Kopf herumtanzen kann. Doch viele unsere Kinder fühlen sich zunehmend entthront, wenn sie plötzlich in einer Gruppe mit 20 Kindern nicht mehr als Prinz oder Prinzessin Mittelpunkt 100%iger Aufmerksamkeit sind. Und nicht nur das.

Ruhigstellen mit Handy & Co.

Es geht so weit, das viele unserer Kinder heute gar nicht mehr einordnen können, in welcher Situation sie sich gerade befinden – sie lassen ihre Eltern nicht mehr miteinander reden, sie rennen um Tische im Restaurant, in dem Menschen in Ruhe essen möchten, sie halten – auch mit sechs Jahren noch in Teilen ihre Eltern die ganze Nacht auf Trapp. Sie erwarten sofortige Bedürfnisbefriedigung und 100% Aufmerksamkeit. Erreichen sie die nicht, lechzen sie nach Smartphone, Handy & Co., um dann in Bildschirmwelten zu versinken und nichts mehr um sich herum mitzubekommen. Und wir Eltern? Setzen dem nichts entgegen. Wie kann das sein? Warum sind wir nicht mehr in der Lage, den Kindern dringend nötige Grenzen zu zeigen – die wollen und brauchen sie in einem gewissen Rahmen, um sich sicher zu fühlen.

Gehetzte Menschen im digitalen Zeitalter

Für den Bestsellerautor, Kinder- und Jugendpsychiater Dr. med. M. Winterhoff liegt der Schlüssel in einer Art  ,Massentraumatisierung‘: „Der Mensch ist rastlos, handelt nicht mehr ruhig und zielgerichtet, findet keinen Weg mehr aus dem sich ständig beschleunigenden Hamsterrad. Psychisch defizitäre, auf Dauer gehetzte Menschen werden aber weder die Grundpfeiler unseres Zusammenlebens tragen noch eine intuitive Beziehung zu ihren Kindern leben können“, ist er sicher. Er erforscht seit den 90er Jahren, seit Beginn des digitalen Zeitalters,  diese Zusammenhänge und hat täglich junge Menschen vor sich, die mit chronischen Verhaltensauffälligkeiten, Schmerzen, Schulängsten, Konzentrationsproblemen, Rast- und Respektlosigkeiten, Schlafstörungen, Depressionen und vermeintlichen Hyperaktivtätssymptomen zu kämpfen haben.

Überforderung macht uns fertig

Für ihn ist klar: „Die Überforderung, die uns fertigmacht, entsteht durch die ständig wachsenden Herausforderungen, denen wir uns – wie  unsere Kinder –  machtlos ausgeliefert sehen. Wir müssen wieder dazu kommen, Verantwortung für uns zu übernehmen und klare Entscheidungen zu treffen“.

Und sei es nur klar und konsequent den Handy- und Computerkonsum unserer Kinder einzuschränken, zu regulieren, Kindern zuzugestehen, dass sie Kinder sind. „Dazu gehört unbedingt, ihnen Unbeschwertheit, Freiheit und Fürsorge zu schenken, wenn sie fit sein sollen für ein selbstbestimmtes und erfolgreiches Leben.“ Dazu gehört aber vor allen Dingen auch, ihnen etwas zuzutrauen, sie loszulassen.

Vortrag am 4. April

Seine Bücher wie „Mythos Überforderung“, „Die Wiederentdeckung der Kindheit“, „SOS Kinderseele“ und noch einige mehr sind alle sehr lesenswert und beleuchten all diese angesprochenen Themen im Detail. Wer eine Zusammenfassung in Form eines Vortrags von ihm hören möchte, der ist zum Charity-Vortrag mit ihm am 4. April, 19.30 Uhr, in der Goetheschule in Essen, Ruschenstr. 1,  richtig. Dort kommt Michael Winterhoff und spricht zu „SOS Kinderseele – Kindheit wiederentdecken“. Es lohnt sich, vorbeizukommen. Er rüttelt wach, sensibilisiert und gibt Lösungen, die manchmal ganz einfach scheinen, aber doch manchmal so schwer umzusetzen sind.

Im Mai erscheint übrigens sein neues Buch:  „Deutschland verdummt: Wie das  Bildungswesen die Zukunft unserer Kinder verbaut“.

Wir bieten den Vortrag zusammen mit unserem langjährigen  Kooperationspartner,  dem Familienzentrum am Brandenbusch, an. Der Erlös kommt unserem Verein zugute. Wer Interesse hat, melde sich gern bei uns – Vorverkauf der Karten hat bekommen. Kurz per Mail, info@bundesverband-allergie.de, oder per Telefon unter 0209-30530, di., mi., do., 8.30-12.30 Uhr.

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