Der Albtraum ist vorbei

Mit Milchschorf auf der Kopfhaut fing alles an…
Foto: farbkombinat

Unsere ganz persönliche Geschichte….

Als unser kleines Mädchen Annabell im Januar 2015 zur Welt kam, war alles so schön.

Im 3. bis 4. Lebensmonat bekam sie Milchschorf, dann rötliche und trockene Flecken im Gesicht und fing an, sich zu kratzen. Später fing ihre Haut an zu nässen, erst nur an wenigen Stellen, später hatte sie am ganzen Körper nässende offene Haut. Wir fühlten uns hilflos. Ein Ärztemarathon begann. Wir erfuhren, dass es Neurodermitis ist. Wir sollten Handschuhe über die Hände ziehen, was sie sehr einschränkte und auch nicht viel half. Jeder Arzt hat andere Crèmes, Badezusätze und Kortison verschrieben. Spezielle Milchnahrungen sollten wir ausprobieren. Das Ende vom Lied war,  dass Annabell nicht mehr ruhig schlief und fast nur noch gebrüllt hat – unsere Nerven lagen blank.

Wir hatten sie dann mit zu uns ins Bett gelegt, um sie zu beruhigen. Das hat auch nicht geholfen. Jeder hatte irgendwelche Tipps für uns und wusste alles besser. Das war eine schwere Zeit. Die Blicke und Fragen der Menschen, wenn wir einkaufen oder spazieren gingen, waren unangenehm.

Von Bekannten haben wir gehört, dass es in Gelsenkirchen Hilfe gibt. Wir schauten uns die Internetseite an und bekamen  schnell einen Termin von Schwester Heidi. Als unsere Annabell dann etwas über ein halbes Jahr alt war, fuhren wir nach Gelsenkirchen.

Wir wurden gut aufgenommen und fühlten uns willkommen. Endlich waren wir nicht mehr allein mit unseren Sorgen. Die drei Wochen auf der KJ3 waren emotional sehr schwierig, aber auch sehr hilfreich.

Mein Mann konnte am Angehörigenseminar teilnehmen und nahm sich für die letzten Tage ein Zimmer in der Nähe, um uns zu unterstützen.

Die Vorträge von Herrn Langer und Dr Lion waren toll. Auch in den Einzelgesprächen hat man uns wertvolle Tipps gegeben, mit der Neurodermitis umzugehen. Wir mussten aus dem Kreislauf der Probleme wieder ausbrechen. Es geht vor allem darum, erst mal zu verstehen, dass man nicht schuld ist und wie man mit der Erkrankung richtig umgeht. Mit Hilfe der Schwestern und Psychologen der KJ3 wurden wir auf einen guten Weg gebracht,  um das zu schaffen.

Sich abends auf der Station mit anderen Eltern zu unterhalten und sich auszutauschen war auch gut, einfach zu wissen, man ist nicht allein, andere machen dasselbe oder Ähnliches durch und schaffen es auch.

Wir haben das Autogene Training für uns entdeckt und für unser Kind das seinsverlorene Spiel. Jeden Tag ist dies fester Bestandteil für uns.

Tja, die Zeit zu Hause. Auch nicht so einfach, keiner hat uns verstanden. Wir waren auf uns gestellt und blieben auch erst mal unter uns. Wir verfestigten das Gelernte und nach mehreren Wochen wurde langsam alles besser. Es gab auch immer wieder ein paar Rückschläge, bei denen wir nicht weiter wussten und uns Hilfe suchten.

Die Kontrolltermine waren für uns wichtig, gaben nochmal Halt. Telefongespräche mit den Psychologen und den Vertretern der Ortsverbände des Selbsthilfevereins Allergie- und umweltkrankes Kind helfen uns auch heute noch sehr. Die empfohlenen Bücher sind gut, die sollte jeder unbedingt einmal lesen.

Als unsere Tochter mit einem Jahr in die Kita kam war es auch nochmal schwierig. So viel Neues für die Kleine. Die Erzieher wussten nicht gleich, wie sie mit ihr umgehen sollten. Als die Zuständige unseres Ortsverbandes des AuK mit den Erziehern gesprochen hat, hat das allen Seiten sehr geholfen. Es gefiel ihr immer besser in der Kita. Mittlerweile geht sie sehr gern in die Kita und würde am liebsten auch an den Wochenenden gehen. Sie ist immer aufgeweckter und offener geworden. Hat sich immer wohler gefühlt. Seit Mai dieses Jahres isst sie in der Kita mit und hat bis jetzt auch alles vertragen. Den Umzug im letzten Jahr in unser Haus haben wir zusammen gut gemeistert.

Bei uns gab es im März Familienzuwachs und der Kleine ist gesund und fühlt sich wohl. Auch unser 2. Kind hat Anzeichen von trockener Haut und Rötungen im Gesicht. Wir sind guter Dinge, dass wir zusammen alles schaffen. Die große Schwester hat sich an ihre Rolle gewöhnt und kommt gut mit ihrem Bruder klar.

Die Kita ist Ende Juli umgezogen und in der neuen Kita fühlt Annabell sich auch wohl. Ab und zu nach Stresssituationen sieht man im Gesicht unseres Kindes um den Mund herum mal rötliche Flecken und durch das eincremen mit Sonnenmilch auch mal auf den Armen. Aber damit können wir gut leben, das geht alles wieder weg.

Wir hatten und haben auch heute noch Probleme mit den Großeltern, die uns nicht unterstützen, es nicht verstehen wollen und auch nicht interessiert. Sie reden über die Haut über gelegentliche Flecken auf der Haut und Fragen unser Kind danach. Der Umgang mit ihnen gestaltet sich immer noch schwierig. Wir können nur versuchen, den Kontakt gering zu halten und nichts vor den Kindern auszutragen.

Ansonsten geht es uns soweit gut. Wir und unsere Kinder sind zufrieden und wir haben Spaß. Wir sind entspannt und können wieder leben. Daran war damals vor dem Klinikaufenthalt in Gelsenkirchen nicht zu denken.

Ein riesen Dankeschön an Herrn Dr. Lion, Herrn Langer, den AuK und ihre Ortsverbände und das ganze Team der KJ3! Ohne Sie hätten wir es nicht soweit geschafft.

Familie aus Schweinitz

Tags from the story
,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

" />