Asthma, ein langer Weg mit lohnendem Ziel

Frau im Feld, Frühling, Sonnenblumen, Beschwerdefrei nach Asthma
Musikerin erzählt, wie Heilung geht… Foto: Jonas Glaubitz

Meinen 40. Geburtstag verbrachte ich in einer Spezial-Asthmaklinik. Um Mitternacht überraschte mich die Nachtschwester mit 40 Teelichtern auf einem Tablett – das war ein Lichtblick in einer damals sonst eher trostlosen Situation. Sie spürte meine Angst, Verunsicherung und Hilflosigkeit und erbarmte sich, mich über Verlauf und Ergebnis der Allergietests zu meinem Asthma zu informieren.

Zur Vorgeschichte. Ungefähr zehn Jahre zuvor hatte ich eine alte Bauernkate restauriert und genoss das Landleben, bis nächtliche Hustenanfälle meine Freude trübten. Es folgten mehrere Bronchialinfekte, irgendwann mit Spastik und letztendlich dann die Diagnose: Asthma. Ein ortskundiger Arzt drängte zu einem Wohnungswechsel (Belastung durch Feuchtigkeit mit Schimmelpilzen) und zu einem katzenfreien Haushalt. Den ersten Rat habe ich schweren Herzens befolgt, beim zweiten war meine Liebe zu den Tieren größer, sie durften bleiben.

Beschwerdefrei in neuer Umgebung – warum?

In neuer Umgebung lebte ich mehrere Jahre ohne Beschwerden. Mein Interesse war jetzt geweckt. Was macht krank, was fördert Gesundheit? Ich begann zu lesen und mich zu informieren. Mit Hilfe eines kleinen Gemüse- und Kräutergartens wurde die Ernährung auf möglichst vollwertig umgestellt. Ich reflektierte mein Leben: Beruflich und privat gab es ‚Dauerbelastungen`. Nur mit enormem Kaffeekonsum konnte ich die täglichen Anforderungen bewältigen. Ausgewogenheit zwischen Anspannung und Entspannung schien kaum möglich. Vor zwei Jahren etwa wurde es dann leider wieder sehr eng, trotz Vollwertkost und Naturheilkunde. Als Asthmamedikamente nicht verhindern konnten, dass ich nachts wiederholt einen ‚status asthmaticus’ erreichte, fühlte sich meine Ärztin überfordert und überwies mich in eine Spezialklinik. Eine dort verordnete Desensibilisierung gegen Schimmelpilze mussten wir sehr bald abbrechen, weil mein Gesundheitszustand kritischer wurde. „Ihr Problem ist das Klima am Niederrhein, das Theater mit Klimaanlage, Kulissenstaub und Bühnennebel. Mit der Krankheit werden sie leben müssen. Sie werden zunehmend empfindlicher reagieren, und die Abstände zwischen den Anfällen werden immer kürzer werden. Sie sollten sich auf Frühinvalidität einstellen.“

„Aktiv“ gesund werden

Welch’ Glück, wenn man genug Reserven hat, solchen Sätzen zu trotzen und sie auch wieder zu vergessen! Ich begann nach anderen Behandlungsmöglichkeiten zu suchen. Ich wollte die Krankheit besser verstehen, wollte ergründen, welchen Sinn sie für mich hat und suchte nach besseren Möglichkeiten, damit umzugehen. Die Medikamente konnten vielleicht mein Überleben sichern, aber um gesund zu werden, braucht es mehr. Auf dieser Suche nach Möglichkeiten hörte ich einen Vortrag zu „Allergien sind heilbar!“ Ich war begeistert und bewegt. Da war jemand, der mit außerordentlicher Kompetenz nicht nur ein umfassendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit vermittelte, sondern gleichzeitig auch die unerschütterliche Zuversicht, dass es einen Weg gibt, der von ohnmächtiger Betroffenheit zum aktiven Handeln mit dem klaren Ziel, gesund zu werden, führt. Ich wollte unbedingt mehr darüber erfahren und bat um einen Gesprächstermin in der Gelsenkirchener Kinder- und Jugendklinik. Medizinisch war ich durch meinen jahrelangen Leidensweg gut informiert, das Autogene Training war mir vertraut und auch allergenverdächtige Nahrungsmittel (für mich Weizen, Eier und Milchprodukte) waren längst aus dem Speiseplan verbannt. Beruflich konnte ich Theatervorstellungen mit starker Rauch- und Nebelentwicklung für eine gewisse Zeit meiden. Es gab keine kritischen Asthmaanfälle mehr, aber gesund fühlte ich mich nicht, eher gut eingestellt.
Bei meinem ersten Besuch in der Kinderklinik brachte ich vor lauter Tränen kaum ein vernünftiges Wort heraus. Der damalige Psychologe Gerhard Starzmann half. Mit seiner Geduld und Ermutigung fand ich meine Sprache wieder. Über einen langen Zeitraum hatte ich Gelegenheit, mit ihm Belastendes aus Vergangenheit und Gegenwart aufzuspüren und zu begreifen. Sehr viel war gegen meinen Willen geschehen. Es gab erschütternde Ereignisse, die auf Dauer meine Anpassungsfähigkeiten überforderten. Verständlich, dass bei dieser Vorbelastung erneute Gefühlsverletzungen schnell übermäßigen Stress auslösen und zu einer Fehlsteuerung führen können. Ein schwieriger Fall!

In Geduld üben

Als Musikerin habe ich nicht nur Noten geübt, sondern auch Geduld, Ausdauer, Zielstrebigkeit und Vertrauen aufs Gelingen. Ganz behutsam begann eine „Modulation der Einstellungswerte.“ Statt überhöhtem Leistungsanspruch mit enormer Leistungsbereitschaft, meist über die eigene Erschöpfung hinaus, begann ich allmählich, auch ein „ausreichend gut“ zuzulassen. Immer bereit, Verantwortung zu tragen, gelang es mir, auch einmal passiv zu bleiben und anderen Stress zu machen. Nicht einfach, aber gesünder! In unermüdlichem Bemühen um Harmonie lernte ich, dass es bisweilen sehr sinnvoll sein kann, Streit und Spannung auszuhalten, ohne mich gleich zutiefst bedroht zu fühlen. Ich erlaube mir auch Launen und Aggressionen. So übe ich geduldig weiter.

Unabhängig von Medikamenten

Heute fühle ich mich gesund und leistungsstark, bin unabhängig von Medikamenten, trotz Niederrheinklima, Theaterstaub und Bühnennebel. Infekte nehmen einen milden Verlauf ohne Beteiligung der Bronchien. Brachten sie mich früher in lebensbedrohliche Situationen, so habe ich gelernt, sie heute als wertvolles Immuntraining zu betrachten. Im 14. Lebensjahr, einer für mich sehr kritischen Zeit, war es der leitende Arzt einer Kinderklinik, der für meine Weiterentwicklung äußerst wichtige Weichen stellte. 30 Jahre später wiederholte sich diese Erfahrung in Gelsenkirchen auf einer anderen Oktave. Allen Helfern im Gelsenkirchener Team danke ich herzlich für ihren Einsatz, ihre Freundlichkeit, Aufmerksamkeit, Anregung und Wertschätzung.

*) Name der Autorin bekannt

Tags from the story

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

" />